Schulentwicklung

Einen Bericht über die aktuelle Entwicklung der Hagener Förderschulen mit der Stellungnahme des Leiters des Schulamtes der Stadt Hagen, Herrn Jochen Becker, in der Westfalenpost vom 20.08.2014, können Sie hier nachlesen:
http://www.derwesten.de/staedte/hagen/auch-foerderschulen-muessen-aufgeloest-werden-id9717289.html

Schulentwicklungsplanung der Stadt Hagen

Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit zwingender Veränderungen in der Hagener Schullandschaft haben die Mitglieder des Schulausschusses der Stadt im Rahmen ihrer Sitzung am 3. November 2010 die Vergabe eines Gutachtens zur Schulentwicklungsplanung beschlossen. Beauftragt wurde die “Projektgruppe Bildung und Region” (kurz: Biregio) mit Sitz in Bonn-Bad Godesberg, die seit den 1970er Jahren bereits mehr als 300 Städte, Gemeinden und Landkreise beraten hat.

Am 29. Juni 2011 hat der Gutachter und Leiter des Biregio-Institus, Herr Wolf Krämer-Mandeau, zunächst seine grundlegenden Erkenntnisse zur aktuellen Hagener Schulsituation sowie zur prognostizierten Entwicklung der Bevölkerungs- und Schülerzahlen Vertretern der Politik, der Schulleitungen sowie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Am 13. Dezember 2011 legte Wolf Krämer-Mandeau seinen Abschlussbericht vor.
Der Erich Kästner-Schule prophezeite er eine rasche Inkludierung.



Die Schulkonferenz der Erich Kästner-Schule nahm wie folgt Stellung:

Stellungnahme der Schulkonferenz der Erich Kästner-Schule zu den Vorschlägen aus der Schulentwicklungsplanung


Der Gutachter, Herr Wolf Krämer-Mandeau, geht in seinem Abschlussgutachten vom 13.12.11 davon aus, dass die Erich Kästner-Schule möglicherweise sehr rasch inkludiert wird – vielleicht rascher als andere als andere Förderschulen (Gutachten S. 262). Daher hat sich die Schulkonferenz der Erich Kästner-Schule in ihrer Sitzung am 30.01.12 nochmals mit diesen Aussagen befasst und ergänzt die Stellungnahme vom 15.11.11 durch folgende Anmerkungen:

Die Erich Kästner-Schule überprüfte in den vergangenen Jahren ca. 50 Lernanfänger pro Schuljahr, die uns durch die Grundschulen gemeldet wurden. Die Empfehlungen zur Meldung erfolgten vor allem durch Schulärzte, Kindergärten, Logopäden, Kinderärzte oder dem SPZ des AKH.
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Nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Anzahl und den Anstieg der überprüften Lernanfänger und somit die starke Nachfrage in den letzten 7 Schuljahren:

Schuljahr Anz. der Meldungen zum AO-SF Anz. der aufgenommenen Schüler mit  sonderpädagogischem Förderbedarf
 2011/12  55  29
 2010/11  52  27
 2009/10  54  25
 2008/09  51  29
 2007/08  48  26
 2006/07  45  28
 2005/06  41  26

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Zahl der Lernanfänger in Hagen in den letzten Jahren rückläufig ist, aber gleichzeitig belegen wissenschaftliche Erhebungen, dass die Zahl der sprachaufälligen Vorschulkinder landesweit jährlich ansteigt. Experten beziffern den Anteil der sprachauffälligen Kinder im Vorschulbereich mit ca. 25 Prozent. Auch das Gutachten von Herrn Krämer-Mandeau bestätigt den steigenden Bedarf an der Beschulung von sprachbehinderten Kindern.

Die Aufnahmekapazität der Erich Kästner-Schule beschränkt sich auf 2 Eingangsklassen mit 14 Schülern pro Klasse als Höchstwert.

Wir weisen darauf hin, dass alle Eltern der aufgenommen Lernanfänger sich bewusst und freiwillig für die Förderung ihres Kindes an der Erich Kästner-Schule entschieden haben und diesen Wunsch auch ausdrücklich schriftlich dokumentiert haben. Damit nutzen sie ihr gesetzliches Wahlrecht und bevorzugen die Förderung ihres Kindes an unserer Schule als Alternative zur Förderung im gemeinsamen Unterricht an einer Grundschule.

Diese Wahlfreiheit muss auch künftig gewährleistet sein.

Aus Rückmeldungen wissen wir, dass für unsere Elternschaft folgende Gründe für die Wahl des Förderortes Erich Kästner-Schule ausschlaggebend sind:

  • Fünftes Grundschuljahr durch vorgeschaltete Eingangsklasse
  • Unterricht nach Grundschulrichtlinien mit individuell abgestimmter Sprachförderung
  • Erfolgreiche Rückschulung und Integration von ca. 50 % nach Klasse 2 und ca. 90% nach Klasse 4 in die allgemeine Schule (Erich Kästner-Schule versteht sich als Durchgangsschule!)
  • Begleitung des Übergangs und nachgehende Fürsorge in der allg. Schule
  • Keine Stigmatisierung ihrer Kinder im Schulalltag
  • Qualifizierte fachliche Förderung in kleinen Klassen
  • Zentrale Lage der Schule (gute Erreichbarkeit)
  • Kooperation mit allen an der Förderung beteiligten Institutionen.

Abschließend stellen wir nochmals fest:

Nicht nur die Zahl der sprachbehinderten Kinder steigt kontinuierlich an, vielmehr wächst auch der Störungsgrad der Sprachbeeinträchtigungen. Kinder mit Autismus, Mutismus, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, schweren Sprachentwicklungsverzögerungen sowie Stotterer benötigen dringend ein behindertengerechtes schulisches und therapeutisches Lernumfeld, wie es ihnen die Erich Kästner-Schule bietet.

Unser Appell an alle politischen Entscheidungsträger:
Bitte erhalten Sie diesen Kindern die Erich Kästner-Schule!
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Der Auszug aus dem Schulprogramm (verabschiedet in der Schulkonferenz vom 20.05.1999, hier leicht verändert) beschreibt die Entwicklungsgedanken unser Schule, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben:

Konzeptionelle Überlegungen zum aktuellen und zukünftigen Förderort der Erich Kästner-Schule (Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache in der Primarstufe) in einem flexiblen System sonderpädagogischer Förderung – Weiterentwicklung zu einem „Sprachheilpädagogischen Kompetenzzentrum“

Aus dem Gesetz zur Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung in Schulen ergeben sich Konsequenzen für die konzeptionellen, inhaltlichen und organisatorischen Strukturen sonderpädagogischer Förderung in allgemeinen Schulen und in Förderschulen. Die Erich Kästner-Schule fühlt sich auch weiterhin verantwortlich für eine umfassende und fachlich qualifizierte sonderpädagogische Förderung sprachbehinderter Schüler/Innen in Hagen. Wir wollen damit auch Tendenzen entgegenwirken, die Förderung sprachbehinderter Kinder auf additive Maßnahmen zu beschränken (z. B. im G.U.).[spoiler]

Aufgrund der wachsenden Anzahl von Kindern mit komplexen Störungsformen in Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sprache ist eine Organisationsform wichtig, in der dem Förderbedarf sprachbehinderter Kinder im Sinne von behinderungsspezifischem und therapieimmanentem Unterricht entsprochen wird.

Diese fachlichen Standards müssen auch weiterhin garantiert sein. Wir sehen daher die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache als einen unverzichtbaren Förderort neben anderen gleichwertigen Förderorten für sprachbehinderte Kinder an. Außerdem sollte auch für die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache das Prinzip von Angebot und Nachfrage gelten.

Die Erich Kästner-Schule ist eine Förderschule mit hoher Akzeptanz bei den Eltern sprachbehinderter Kinder. Auch weiterhin müsste den Eltern ein Wahlrecht für bestimmte Förderschulen als freie Entscheidung zugestanden werden.

Die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache gilt als Durchgangsschule und ist wegen ihrer hohen Rücküberweisungsquote eine der erfolgreichsten Förderschulen (ca. 50% der Kinder an der Erich Kästner-Schule werden bereits nach Klasse 2 d.h. nach 3 Schulbesuchsjahren erfolgreich an die Regelschulen überwiesen). Für die restlichen Schüler – bis auf wenige Ausnahmen – findet der Übergang in die Regelschule nach Klasse 4 statt. Die Schülerzahlen an der Erich Kästner-Schule sind in den vergangenen Jahren ziemlich konstant geblieben, z. Zt. 100 Schüler. Jedes Schuljahr werden ca. 25-30 Lernanfänger mit sonderpädagogischem Förderbedarf eingeschult, d. e. ca. 1 % – 1,5 % der gesamten Lernanfänger in Hagen (ca. 2.000). Alle Kinder werden nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten eingeschult. Durch die relativ zentrale Lage halten sich die Fahrwege für die Kinder in zumutbaren Grenzen (nur in Einzelfällen werden 30 – 45 Min. überschritten). Diesen Nachteil der „wohnortfernen“ Beschulung nehmen die Eltern bewusst in Kauf zu Gunsten der ganzheitlichen, speziellen Förderung ihrer Kinder in der Erich Kästner-Schule durch KollegenInnen mit einer hohen sprachbehindertenspezifischen Fachkompetenz, die als Team individuelle Betreuung und Hilfe bieten. Wohnortnahe Beschulung bedeutet i.d.R. weniger Spezialisierung, wohnortferne Beschulung ermöglicht eher eine größere Spezialisierung.

Die gemeinsame Nutzung des Schulgebäudes von Erich Kästner-Schule und KGS Meinolfschule hat neben vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten auch den Vorteil, dass die sprachbehinderten Kinder nur mit gleichaltrigen Primarstufenschülern zusammenkommen (z.B. auf dem Schulhof) und sich wie Grundschüler fühlen. Dies bedeutet Inklusion im außerunterrichtlichen Bereich.

Die Erziehung in der Erich Kästner-Schule ist auf die besondere Situation der sprachbehinderten Kinder ausgerichtet. Dem Unterricht liegen die Pläne der allgemeinen Schule zugrunde. Die verschiedenen Arten und Auswirkungen von Sprachbehinderungen verlangen jedoch eine sorgfältige Auswahl der Unterrichtsinhalte unter sonderpädagogischen Aspekten. Die Förderangebote gewährleisten eine starke Differenzierung und Individualisierung in einem sonderpädagogisch konzipierten Unterricht und werden somit der Gesamtpersönlichkeit des sprachgestörten Schülers mit seinen besonderen Lernvoraussetzungen gerecht.

In diesem Zusammenhang hat die zusätzliche Eingangsklasse (Kl. E) als 5. Grundschuljahr eine wichtige und unverzichtbare Bedeutung, in dem sie bei den Lernanfängern die basalen Lernvoraussetzungen v.a. in den förderungsbedürftigen Wahrnehmungsbereichen schafft und außerdem Zeit für umfassende förderdiagnostische Arbeit lässt.

Im Mittelpunkt aller Maßnahmen steht die Arbeit mit und an der Sprache. Neben dem Klassenunterricht gibt es für jeden Schüler therapeutischen Einzel- oder Klein-gruppenunterricht. Unterricht und Therapie bilden eine Einheit. Nur so ist es möglich, die Sprachstörungen und die begleitenden Lernstörungen soweit abzubauen, dass der Schüler wieder die allgemeine Schule mit Erfolg besuchen kann.

Über dieses breite Spektrum behinderungsspezifischen Bemühens hinaus, beraten die KollegenInnen der Erich Kästner-Schule betroffene Eltern und auch die an integrativen Maßnahmen beteiligten KollegenInnen in den allgemeinen Schulen. Die Erich Kästner-Schule kooperiert interdisziplnär mit Kliniken, Phoniatern, HNO- und Kinderärzten, Therapeuten, Logopäden und Psychologen, Gesundheitsämtern, Beratungsstellen, Kindergärten, Jugendämtern und anderen sozialen Dienststellen.

Dadurch ist die Erich Kästner-Schule zu einem festen Bestandteil in der Hagener „Schullandschaft“ geworden. Sie hat sich in den bestehenden 26 Jahren zu einer „Anlaufstelle“ für Kinder und Jugendliche mit Sprachstörungen entwickelt. Insbesondere Eltern mit sprachauffälligen Kindern im Vorschulalter erscheinen zahlreich zu Beratungsgesprächen. 

Die Weiterentwicklung der Erich Kästner-Schule zu einem „Sprachheilpädagogischen Kompetenzzentrum“ als tragende Säule eines Gesamtsystems aufeinander abgestimmter Fördermaßnahmen und Organisationsformen ist Perspektive für die Zukunft.

Dieses Kompetenzzentrum könnte in Zusammenarbeit und Vernetzung mit Frühför-dereinrichtungen, mit therapeutischen und diagnostischen Angeboten sowie mit Beratungsangeboten für Eltern und SchülerInnen eine umfassende und ganzheitliche Förderung sicherstellen, so dass eine regionale Verantwortlichkeit und Zuständigkeit nicht nur für die eigene Schülerschaft entsteht.

Auch Lehrer anderer Schulen können sich in entsprechenden Situationen Rat beim Kompetenzzentrum holen, können sich Fachleute zur Beratung in ihre Schule holen und dort gemeinsam nach Lösungen suchen. Gerade wenn sprachbehinderte Kinder und Jugendliche integrativ bzw. inklusiv beschult werden, ist es notwendig, auf Fachwissen und auf spezifisches Material zurückgreifen zu können, um den besonderen Bedürfnissen eines Schülers mit einer Sprachbehinderung Rechnung tragen zu können und ihn individuell angemessen fördern zu können. Spezialisiertes Fachwissen ist erforderlich, damit Hilfsansätze, Lernhilfen etc. nicht verloren gehen. Die Lehrer/Innen der Erich Kästner-Schule bieten ihre fachliche und menschliche Kompetenz an. Sie verfügen über Wissen bzgl. der Entstehung und Auswirkung einer Sprachbehinderung und können konkrete und praktische Hilfen geben. Sie verfügen über Materialien sowie diagnostische und therapeutische Möglichkeiten und wissen um die veränderten Lernprozesse und kennen pädagogisch-didaktische Wege ihnen wirksam zu begegnen. Sie erkennen und analysieren Lern- und Verhaltensschwierigkeiten, die sich oft im Zusammenhang mit einer Sprachbehinderung ergeben und bemühen sich, Wege zu einer Lösung zu finden. Sie knüpfen auch Kontakte zu außerschulischen Einrichtungen und Institutionen.

Es wird nach Meinung von Experten auch in Zukunft vermehrt Kinder geben, die in ihrem Kommunikationsvermögen gestört sind und deren gesellschaftliche Integration dadurch erheblich beeinträchtigt ist. Sie brauchen kompetente Unterstützung. Diese ergibt sich nicht von selbst, sondern sie bedürfen einer kompetenten Beratung und Lernbegleitung durch fachlich qualifizierte Lehrkräfte.

Ein zukünftiges Kompetenzzentrum für Kinder und Jugendliche mit sprachlichen Beeinträchtigungen könnte eine Perspektive sein, die sowohl die Integration wie auch die fachspezifischen Bemühungen vereint. Die Schule für Sprachbehinderte wird damit zu einem Dienstleistungszentrum für Betroffene und ihre Familien und lässt ihnen in einem differenzierten Angebot Informationen, Begleitung und Unterstützung zukommen. Der Förderort Erich Kästner-Schule (SfSb) hat reichlich Erfahrungen und Kompetenzen:

  • für sprachsonderpädagogische Diagnostik, individuelle Beratung und Beurteilung,
  • für Erziehung, Förderung und Unterricht von Kindern mit sprachlichen Beeinträchtigungen,
  • für partnerschaftliche Elternarbeit,
  • für Zusammenarbeit mit anderen Lehrerinnen und Lehrern, mit Schulen und Institutionen und für interdisziplinäre Zusammenarbeit,
  • für offenen, zieldifferenten, handlungsorientierten, selbstbestimmten Unterricht, besonders für die Erstlernprozesse des Schreibens, Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und schriftsprachliches Sich-Äußern der Kinder,
  • für schulische Innovationen und kritische Selbstbeurteilung der Lehrer und der Schule,
  • als Durchgangsschule bzgl. Integration und Reintegration sprachbehinderter Kinder in die Regelschule.

Diese Kompetenzen und Erfahrungen werden heute und wahrscheinlich in naher Zukunft mehr denn je gebraucht.

(siehe auch: Schulprogramm der Erich Kästner-Schule)

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Das große Interesse am Erhalt unserer Schule spiegelt auch der Leserbrief einer Mutter wieder, der am 10.10.2011 in der Westfälischen Rundschau und der Westfalenpost erschien:

Leserbrief